
Als Kind ging ich jeden Tag mit meinem Opa in den Wald. Darauf bestand er, und zwar bei jedem Wetter. Im Wald gab es einiges zu sehen: Bäume, Schmetterlinge, kleine Säugetiere – und Vögel. Mit denen konnte ich nur leider nie so wirklich etwas anfangen. Mein Opa hingegen war ein echter Vogel-Fan. Aber seine Faszination für die Ornithologie, die wollte einfach nicht so richtig auf mich überspringen.

Diese Zeit ist nun schon einige Jahre her. Das Vögelbeobachten ist für mich eine alte, bittersüße Erinnerung geworden. Wie gerne hätte ich mich von meinem Opa mit seinem Vogel-Enthusiasmus anstecken lassen und die Begeisterung mit ihm geteilt. Wäre da nicht ein Problem: Ich finde Vögel völlig uninteressant.
Vielleicht ist das aber genau die richtige Voraussetzung, um für The Kurious Radio auf Reisen zu gehen. Zu zwei Vögelbeobachter:innen, zwei Vögel-Liebhaber:innen, zwei Menschen, die vielleicht die Türe zum Birding ein bisschen öffnen können. Denn das Vögelbeobachten ist zu einer Sache geworden, über die nun auch Menschen, die jünger als mein Opa sind, sprechen, Bücher schreiben oder Youtube-Kanäle aufziehen. Facebook ist mittlerweile nicht mehr ganz so repräsentativ, aber trotzdem: In der Facebook-Gruppe B I R D W A T C H I N G for beginners sind immerhin über 20.000 Menschen Mitglied, die Gruppe Bird Photography zählt über 400.000 Mitglieder. Also … warum (zum Geier?) interessieren sich so viele Menschen für die Vogelbeobachtung?
Die erste Person, die ich hier treffe, um mehr Antworten zu finden, ist Kalle. Als @KalleNibbenhagen oder @ornithologiefueranfaenger kann man ihn im Netz finden. Dort postet er Videos dazu, wie man die häufigsten Vögel erkennt, welches Equipment man fürs Birding braucht, oder Unnützes-Wissen-Videos. Oder man sieht ihn in einem Tarnzelt im Wald. Bei Sonnenaufgang und dem Versuch, die besten Vogelfotos zu machen. Überhaupt wirkt Kalle sehr lieb und auch (sehr passend zum Thema!) ein bisschen kauzig, auf eine sehr sympathische Art. Ihn habe ich bei Sonnenaufgang im Wald besucht.

Und dann geht’s weiter zu Véro Mischitz oder @verocomics. Sie ist Biologin und Comiczeichnerin und hat neben Gärtnern für Ahnungslose und Insektenwelt für Ahnungslose oder (brandneu) Pilze für Ahnungslose auch ein Buch geschrieben und mit ihren Comics bebildert, das sich Birding für Ahnungslose nennt. Mit ihr treffe ich mich auf einem Friedhof.

Wie es mir auf dieser Birding-Reise ergangen ist, hört ihr in einer Reportage im Podcast The Kurious Radio.
So viel kann ich hier aber vorab verraten: Was ich über’s Vögelbeobachten verstanden habe, ist, dass das Birding etwas für die Ohren ist. Im Frühjahr, zur Hochzeit der Vogelbeobachtung, sieht man nämlich überhaupt nur Himmel oder satte Baumkronen, man sieht die Vögel nicht – außer man ist mit Feldstechern unterwegs und bringt viel Geduld mit. Man spürt sie aber, indem man sie hört.


„Birding ist was für die Ohren. Die meiste Zeit sieht man überhaupt nur Himmel oder Baumwipfel. Aber man spürt die Vögel, weil man sie hört.“


Im Podcast erzähl’ ich das so:
Ich kann das irgendwie nicht so richtig gut beschreiben, aber diese Mischung aus dem Geruch der Bäume, das konzentrierte Hören der Vogelstimmen, das Knacken der Äste, über die wir laufen, das hat mich irgendwie wieder total in meine Kindheit zurückversetzt. Und für einen kurzen Moment war ich wieder mit meinem Opa im Wald. Ich habe diese Begeisterung für Vögel bisher nicht wirklich mit meinem Opa teilen können, aber wie wir hier so früh morgens im Wald stehen und der Natur lauschen, ja, das hat was.

