← The Kurious LetterDer Kurious LetterHallo, liebe Kurious-Menschen!
Heute kommt die Freitagspost wieder von mir, Iris. Mein Kollege Andreas und ich wechseln uns hier immer ab, um euch vor dem Wochenende mehr oder weniger tiefgründige Gedanken dazu, wie man mehr Abenteuer und Neugierde ins Leben bringen kann, sowie Empfehlungen für Podcasts, Bücher und auch die ein oder andere Challenge in euer Postfach zu schicken.
Heute soll es um den Spaß an der Freude gehen. Oder besser gesagt: Um die Lust am Spaßhaben. Ich war nämlich ganze 24 h im Wald. Mitten in der Arbeitswoche haben Fred und ich unsere Sachen gepackt, um einmal geradeaus durchs Burgenland zu gehen. Das ist einerseits schwerer als gedacht. Und andererseits wirklich lustig. Und davon will ich euch erzählen!
Außerdem: eine Challenge der ganz anderen Art (ohne Zelt! dafür mit Kopfhörern) & ein sehr ernst gemeinter Aufruf (bei dem man aber auch Spaß haben darf!)


Letzte Woche ging ein Aufruf an euch raus, und es haben sich schon einige Menschen darauf gemeldet. Danke dafür! Wer das verpasst hat, hier ist der Link und darum geht's:
Wir beginnen gerade, die Print-Ausgabe Nummer 2 zu planen (sie erscheint im Herbst!). Darin wollen wir Geschichten von euch abdrucken. Wir würden uns also freuen, wenn ihr uns eure Sammlungen zeigt und von euren Freundschaften, Hobbys und Träumen erzählt!
Die Umfrage ist absolut anonym, aber wenn ihr wollt, könnt ihr eure Mail hinterlassen, und wir kontaktieren euch dann.
Und: Ihr müsst auch nicht alle Fragen beantworten! Schreibt einfach ein X dorthin, wo ihr nichts zu sagen habt!
Also schaut mal hier rein und schreibt uns, was euch so umtreibt.
...
Wer uns lieber direkt Feedback schicken oder auch nur kurz "Hallo" sagen will, kann das über diese Mail machen hallo@thekuriousmag.comund auf WhatsApp! Wir freuen uns!
Letztens auf Insta ist mir da so ein Reel entgegen geschwappt, bei dem ich mich sehr wiedererkannt habe. Ich verlinke es euch hier nicht ;) Ich glaube, diese Screenshots reichen aus:

Falls ihr das nicht gut lesen könnt, da steht:
WHAT DO PEOPLE WANT: A GOOD JOB, GOOD MONEY, AND A LIFE THAT ACTUALLY GOES ACCORDING TO PLAN.(Auf einem Video einer Frau, die im Auto fährt)
Und dann:
WHAT I ACTUALLY WANT
Auf einem Video von einem Menschen, der im (Bade-?)Mantel in der Nacht Skateboard fährt, einer Person, die auf dem Zebrastreifen von einem weißen zum nächsten weißen Streifen hüpft, einem Typen, der seine Katze wie einen Dudelsack in der Hand hält, einer Person, die im Koch-Outfit auf der Straße tanzt, und einer Person, die Schnee-Engel-mäßig im Schnee am Boden liegt.
Man könnte es so zusammenfassen: WHAT I ACTUALLY WANT?
Ich will mir das Leben spaßig machen.

Ein spaßiges Leben haben wollen – genau das habe ich in den 24 Stunden, die ich im Wald verbracht habe, auch verstanden.
Ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt, aber ich habe mich auf eine sehr dumme Idee von Fred eingelassen: Einmal auf einer exakt geraden Linie quer durchs Burgenland zu gehen. Dabei bedeutet „exakt gerade“ exakt gerade: eine maximale Abweichung von 25 Metern von unserer imaginären Linie war das Ziel. Geschafft haben wir dann, wegen eines doch etwas größeren Fischteichs, eine Abweichung von 29 Metern. Aber auch das – also 29 Meter – sind nicht viel.

Auf einer geraden Linie zu gehen bedeutet konkret Folgendes: Über Zäune zu klettern, Wege zu ignorieren und stattdessen geradeaus steil nach unten und wieder steil nach oben durch jeden Graben zu gehen, unter Baumstämmen hindurchzukriechen, über Bäche zu hüpfen oder durchzuwaten, über Felder und die darauf bereits sprießenden Pflänzchen zu steigen – oder, und das ist das einzig wirklich Schlimme, auf Dornenhecken zuzulaufen und mitten durchzugehen.
Nach etwa 1,5 Stunden ist das total normal. Nach 1,5 Stunden hatte ich auch meinen Alltagsstress vergessen, die Migräne war weg. Ich dachte an nichts mehr von dem, was uns alle so umgibt und unweigerlich beschäftigt. Kein Weltgeschehen. Keine Nachrichten. Kein Ulmen. Ich war glücklich. Nach etwa vier Stunden hatte ich das Gefühl, ein Kind zu sein.
Denn warum geht man nicht am Weg entlang? Es muss, so mein Hirn, etwas mit den alten Höhlenbau-Abenteuergeschichten zu tun haben, die ich mit meiner Schulfreundin im Wald erlebt habe.
So waren wir stundenlang unterwegs. Das Licht veränderte sich. Die Stimmung war mal märchenhaft schön, mal seltsam bedrohlich und irritierend.


Abends wurde es dann noch etwas stressig, denn das Wetter begann umzuschlagen. Es war klar, dass wir am ersten Tag so viele Kilometer wie nur irgendwie möglich machen mussten. Die erste schöne Stelle zum Übernachten ließen wir deshalb links liegen. Doch der Wald, der danach kam, war furchtbar: Dornen überall und steile Abhänge. Also gingen wir weiter. Das Licht verschwand langsam.
Francesca, die mit unserem Begleitauto stets zur Stelle war, wenn wir eine größere Straße kreuzten und uns mit Wasser und Blasenpflastern versorgte, sollte uns das Zelt liefern. Doch wo konnte sie stehen bleiben? Wir durften nicht von unserer Linie abweichen. Für den letzten Kilometer übergaben wir ihr auch unsere Rucksäcke. Als wir zum Treffpunkt kamen, sahen wir gerade das kleine weiße Auto einbiegen.
Sollten wir hier schlafen? Bei einem Holzfällplatz? Mitten im Fichtenwald? Wir bauten das Zelt auf. Wenige Minuten später war es stockdunkel. Mit Stirnlampen auf dem Kopf aßen wir unseren Nudelsalat. Schlafen sollte kein Problem sein – wir waren müde genug.
Zwei Stunden später weckte uns der Wind. Oder besser gesagt ein Sturm, der das Zelt an unsere Körper drückte und die Bäume über uns bedenklich stark schaukeln ließ. Wir packten das Zelt und siedelten um – auf die Wiese daneben, die uns zuvor noch zu verdächtig offen erschienen war.
Die Nacht war wild. Der Sturm wurde immer stärker. Irgendwann begann es auch zu regnen. Zumindest hörte man so keine Tiergeräusche, dachte ich mir. Ich habe davor noch nie im Wald übernachtet. Und Campen ist eigentlich auch nicht so ganz meines. Was mich rettete, war die Fantasie: Denk dir, du fliegst mit dem Zelt davon, dachte ich mir. Und irgendwie half das doch ein wenig zu schlafen.
Ich könnte euch jetzt natürlich noch viel mehr erzählen von dem, was wir in diesen kurzen und zugleich sehr, sehr langen 24 Stunden erlebt haben. Das werden wir auch noch tun: Im Kurious Radio machen wir bald eine eigene Folge dazu.
Was mir aber bestimmt bleibt, ist das, was Fred ein paar Tage später im Büro sagte: Es war wie ein Fiebertraum.
Wir haben uns für 24 Stunden aus unserer eigenen Welt in eine ganz andere katapultiert – mit weniger als 100 km Abstand zu unserem Zuhause.
Muss man dafür wirklich so etwas Dummes tun wie eine Straight Line Challenge? Ich weiß nicht. Vielleicht kann man auch einfacher ins Abenteuer eintauchen. Mir hat es aber bestimmt geholfen, dass damit eine neue Welt entstand. Wir waren nicht „nur“ wandern. Wir waren auf Expedition. Wir hatten – wie man das als Kind so tut – eigene Spielregeln, an die sich alle halten mussten, weil sonst macht es keinen Spaß:
Im Spiel dürfen wir den Boden nicht berühren. Im Spiel musst du mich fangen. Im Spiel bist du die Böse. Im Spiel ist das unser Zuhause.
Oder eben: Im Spiel dürfen wir jetzt nur geradeaus gehen, okay? Okay!!!!!!!!
Versucht euch für 20 Minuten auf eine neue Musikrichtung einzulassen. Also neu im Sinne von: Ich kenn die nicht. Nicht im Sinne von: Brand New! Viki, unsere Musikexpertin, hat dafür einen Tipp:
Tipp Nr. 1 von Viki:
🔉 Julien Desprez – Agora
Wie hört man so eine Musik?
Viki: Also ich hör das tatsächlich gerne auf dem Weg in die Arbeit, oder in der U-Bahn. Das ist besonders cool, wenn sich dann die Umgebungsgeräusche reinmischen.
Ich liebe das, wenn dann eine kurze Pause im Song ist, und dann fällt irgendwo die Tasche runter oder die U-Bahntüre piepst, wenn sie aufgeht. Das ist perfekt.
Also Tipp für den Einstieg in experimentellen Noise: In der U-Bahn mit offenen Kopfhörern hören.
Viki: Wenn man dem jetzt die vollen 20 Minuten zuhört, dann erkennt man Muster und es nimmt einen mit, es hat was Meditatives. Nach 20 Minuten bist du an einem anderen Ort.

✔ Tipp:
* Macht was Verrücktes! Was Neues! Im Großen oder im Kleinen, völlig egal. Aber macht es mit Hingabe. So, wie im Spiel :)
Du hast Tipps oder Feedback? Per Mail oder per Whatsapp! Ihr erreicht uns unter hallo@thekuriousmag.comund auf Whatsapp!