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Der Kurious Letter
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20/3/2026

Auf ins Abenteuer! 👻

Wo beginnt eigentlich das Abenteuer? Iris über Nervenkitzel und ein analogeres Leben.

Hallo zur Kurious Freitagspost!

Die diesmal von mir kommt, Iris.

Für alle, die neu hier sind: Mein Kollege und Mitherausgeber des Kurious Magazines Andreas und ich wechseln uns hier jeden Freitag ab, um über Dinge zu schreiben, die uns so durch den Kopf gehen und beschäftigen, während wir versuchen, ein analogeres, abenteuerlicheres und neugierigeres Leben zu leben.

Ihr dürft uns auch gerne antworten! Wir freuen uns immer über Feedback und Tipps oder einfach, euch kennenzulernen. Ihr erreicht uns unter hallo@thekuriousmag.com und auf WhatsApp!

Und heute soll es um das Abenteuerliche gehen ...

Iris auf Zeltlager

Wo beginnt das Abenteuer?

Wir sagen ja von uns selbst, dass wir gerne ein analogeres, ein neugierigeres und ein abenteuerlicheres Leben führen wollen. Und irgendwie haben diese drei Wörter alle miteinander zu tun. Mit einem Echtheitsanspruch auf das Leben selbst, mit Nervenkitzel und sich körperlich spüren, mit einer Ungewissheit und der Spannung auf das, was kommt.

Wie weit wir davon vielleicht schon entfernt sind, habe ich letztens bei einem Besuch bei meiner Mutter verstanden. Als ich – ich war kurz davor laufen zu gehen – in ein Gespräch verwickelt wurde, das sich – total unbeabsichtigt – wie ein Witz mit Punchline erzählt:

Mein Stiefvater und ich lästern darüber, wie seltsam es ist, der jetzigen Kindergeneration zu zusehen. Nie sind sie auf sich alleine gestellt, denn immer haben sie ein Handy dabei. Sie können im Ernstfall (was ist ein Ernstfall?) immer anrufen. Das Gespräch – und hier beginnt der Witz – endete so:

Ich: Ok, ich lauf jetzt los, in den Wald.

Er (völlig unironisch): Nimm dein Handy mit.

Tja.

Das hab ich auch gemacht. Denn selbst ohne Handy im Wald laufen zu gehen, fühlt sich mittlerweile irgendwie abenteuerlich an. Aber darum soll es heute nicht gehen. Sondern um echte, ehrliche Abenteuer.

Bild aus dem Newsletter

Aber so soll es nicht mehr weitergehen.

Ich trau es mich ja fast gar nicht zu sagen, aber nächste Woche bin ich zwei Tage mit Fred auf der Kurious Abenteuer Challenge unterwegs. Quer durch den Wald, quer über Felder und Gärten und Straßen und Wiesen und Büsche und Gestrüpp und was auch immer uns sonst noch in den Weg kommt. Auf einer exakt geraden Linie mit maximal 25 Metern Abweichung.

Ich habe es versprochen und – wie um mich selbst davor zu schützen, doch noch Nein zu sagen – es am Ende des ersten Kurious Mag angekündigt: Es wird eine Straight Line Challenge.

Fred hatte die Idee aufgebracht. Straight Line, meinte er, das wär so ein Ding in einigen Ecken des Internets. Da gäbe es so einen Youtuber, GeoWizard, der für zwei Dinge bekannt sei: Einerseits für seine hohen Scores beim Geoguessing (dazu gleich mehr) und andererseits für seine Straight Line Mission durch England. Beides irgendwie Geografie... äh... Spiele? Beides total schräg und – Achtung – süchtig machend.

Bild aus dem Newsletter

Japan oder Österreich?

Mit dem Geoguessing hab ich damals den ganzen Abend verbracht. Also mit YouTube-Videos dazu. Das Spiel läuft folgendermaßen ab: Du bekommst über eine spezielle Website das Bild eines Ortes und musst innerhalb von Sekunden erraten, wo genau das ist, und das auf einer Google-Maps-Karte markieren. Was man auf diesen Bildern sieht, ist aber (meistens) so irre unspezifisch, immer aus der Sicht eines Google-Street-View-Autos. Man sieht also ein Stück Straße und rundherum Vegetation. Manchmal ein paar Häuser, einen Parkplatz, manchmal andere Autos (mit verpixelten Nummernschildern), Straßenlaternen oder vielleicht sogar Wegweiser.

Nach ein paar weiteren Videos über HOW TO und 10 TIPPS versteh ich dann langsam das Prinzip: Nicht nur die Vegetation gibt Aufschluss, auch auf welcher Straßenseite das Kameraauto fährt, was auf den Stopp-Schildern steht (!), wie genau die Strommasten aussehen (!!), wie die Straßenmarkierungen sind. Irgendwann errate ich dann auch ein paar Bilder und verwechsele Japan mit Österreich. Und dann hör ich wieder auf. Weil wir wollen ja analoger leben und nicht ein neues Computerspiel beginnen.

(Auf den Bildern oben seht ihr: 1. Rumänien 2. Spanien und 3. Österreich)

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Eine gerade Linie quer durchs Burgenland. Was im Weg ist, muss man drüber.

Deswegen habe ich mir auch kein einziges Video zum Thema zwei: Der Straight Line Challenge angeschaut. Keines. Alles, was ich weiß, ist folgendes: Wir müssen auf einer exakt geraden Linie durchs Land. Zuerst dachten wir von Tschechien nach Tschechien, einmal quer durch Niederösterreich, nun wird es eine zweitägige Burgenlanddurchquerung. Die Linie zu ziehen ist Challenge Nummer 1, die hat zum Glück Fred übernommen. Denn jedes Haus, jedes Industriegebiet, jede Autobahn oder Schnellbahnstrecke wird zum Hindernis. Jetzt haben wir eine gefunden, bei der wir „nur“ durch wenige Gärten durch müssen und sehr viel geradeaus durch den Wald. Fred hat Schutzbrillen und Handschuhe besorgt. Und ein Zelt und zwei Schlafsäcke. Denn Pension gibt es leider auf dieser geraden Linie keine. Also müssen wir im Wald übernachten.

Natürlich ist das total bescheuert. Denn auch einfach nur geradeaus durch den Wald zu gehen, ist einfach verrückt. Aber wann war ich das das letzte Mal total bescheuert? Wann hab ich das letzte Mal etwas wirklich Sinnloses und komplett Verrücktes gemacht?

Mein letztes Abenteuer liegt gefühlt 30 Jahre in genau dem Wald zurück, durch den ich da mit Handy in der Tasche gelaufen bin, als noch alles ein Abenteuer war: Der Wald selbst. Und die angeblich tollwütigen Füchse. Das Sich-Verlaufen und Geschichten ausdenken. So wie die über die alte unfreundliche Frau mit gebeugtem Rücken, die in dem winzig-kleinen Haus am Waldrand wohnte, vor der man sich auf jeden Fall hüten musste.

Oder viel später dann die Frage, ob man in den Club reinkommt, ob man es nach Hause schafft, ob es eine dumme Idee war, mit der Person mitzugehen. Oder ob man wirklich alleine zu drei kroatischen Seemännern ins Auto einsteigen soll. Irgendwie hat ein Abenteuer immer auch etwas mit einem Grenzgang zu tun. Wird man es schaffen? Wird man sich verletzen? Wird man heil da wieder rauskommen?

Und genauso fühlt sich das jetzt auch an. Nur mit ein bisschen kalkulierterem Risiko. Aber ich glaube, das ist okay.

Bild aus dem Newsletter
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Gerade Linien soll man den Vögeln überlassen?

Zum Schluss noch ein Hinweis auf THE KURIOUS RADIO. Da gibt es diese Woche nämlich ein sehr langes, sehr lustiges und super spannendes Gespräch mit Christine Schwab zu hören. Sie ist Kognitionsbiologin, und mit ihr spreche ich darüber, wie komplex das Sozialleben von Raben (und Krähen) ist, und wir philosophieren darüber, wie man rausfinden könnte, was die Raben denn bewusst und was sie zufällig Intelligentes machen. Hört gerne rein, hier ist der Link.

✔ Tipp:

* Ich will euch nicht ins Geoguessing reinziehen, deshalb stelle ich diesmal keinen Link rein. :)

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Lass uns zusammen Neugierig sein!