← The Kurious Letter
Der Kurious Letter
·
13
·
1/5/2026

Auf zum fröhlichen Nichts-Tun :)

Weil der 1. Mai nach Rausgehen und Nichtstun schreit: eine kleine Inspiration zur schwierigen Kunst, wirklich nichts zu tun.

Hallo, liebe Kurious-Menschen!

Heute kommt die Freitagspost von mir, Iris. Mein Kollege Andi und ich wechseln uns hier wöchentlich ab, um euch vor dem Wochenende mal mehr, mal weniger tiefgründige Gedanken darüber ins Postfach zu schicken, wie man mehr Abenteuer und Neugier ins Leben bringt – plus Empfehlungen für Podcasts, Bücher und hin und wieder auch die eine oder andere Challenge.

Und weil heute der 1. Mai ist, geht es um das fröhliche Nichtstun!

Viel Spaß – und einen schönen Start ins Wochenende!

Andreas vor rosafarbener Installationswand mit Blumen

Ich weiß nicht, wie das Wetter in eurer Umgebung gerade ist, aber in Wien ist es großartig! Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Vögel zwitschern … und es ist der erste Mai! Und das schreit nach einer Sache: Rausgehen. Rausgehen und Spaß haben oder Rausgehen und Nichtstun! Und zu letzterem möchte ich mich und euch heute inspirieren ...

Wie geht Nichts-Tun?

Die Kunst Nichts-zu-tun ist ... schwierig. Also für mich zumindest.

Bild aus dem Newsletter

Nur an Tagen wie diesen öffnet sich – auf ganz wundersame Weise – ein geheimes Tor zu einer anderen Dimension. Zu der Welt, in der ich - zumindest in meiner Fantasie - einfach vor dem Haus auf einer Bank sitze und in die Luft gucke oder Menschen beobachte. Am besten die, die auch ein wenig langsam und Schritt für Schritt vorwärtskommen, ohne Eile. Eine Welt, in der sich die Zeit dehnt und Platz im Kopf entsteht, die Wolken und Gedanken sich lichten und man die Augen zusammenkneift, weil die Sonne einen blendet. In dieser anderen Welt bin ich also in Pension und lebe in einem kleinen Dorf in Italien mit Steinhäusern und verbringe jeden Tag ein paar Stunden mit meinem Stock in der Hand vor meinem Haus und ... gucke in die Luft.

Die Kunst Nichts-zu-tun meint wahrscheinlich noch mehr als das: also wirklich nichts zu tun. Nicht mit den Nachbar:innen zu quatschen, auch nicht zu lesen, auch nicht irgendeiner Beschäftigung nachzugehen. Googelt man danach, dann findet man sofort Selbsthilfe-Bücher oder den Zen-Weg des Nichtstuns.

Aber ich finde, wir dürfen hier nicht so streng sein. Denn sonst droht die Gefahr, dass selbst das Nichtstun zur Agenda wird, die man erledigen muss, um ja ein gutes Leben zu haben.

Für mich selbst meine ich zumindest zu verstehen, wo ich einen glasklaren Unterschied merke zwischen dem Nichtstun, das sich verdammt gut anfühlt, und dem Nichts-tun, bei dem man die Dinge nicht gehen lassen kann. Es liegt für mich in der Frage, ob ich meinen Kopf aufmachen kann oder nicht.

Das Kopfaufmachen, so viel habe ich auch schon verstanden, geht für mich nur, wenn ich nicht auf einen Screen schaue. Deshalb versuche ich das – inspiriert von Andi und seinem Klapptelefon – gerade immer wieder im Alltag.

Letztens zum Beispiel nahm ich mir vor, in der Straßenbahn auf meinem Weg ins Studio die ersten drei Stationen – bis die Straßenbahn eine scharfe Kurve macht – mein Handy nicht herauszuholen. Es sollte in meiner Hosentasche stecken bleiben. Stattdessen wollte ich mal bewusst die Menschen um mich herum beobachten. Ihr könnt euch vorstellen, wie das ausging: Bei Station 2 stieg eine Schulklasse ein. Ich habe mich im Handy vergraben und mich mit digitalem Müll zugeschüttet, statt die reale soziale Situation zu ertragen.

Bild aus dem Newsletter
Bild aus dem Newsletter

Aber unter einem Baum, bei einem Wetter wie heute, fällt mir das sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel einfacher. Da muss ich mich nicht dazu zwingen, nicht ins Handy zu schauen. Da würde ich am allerliebsten das Handy überhaupt zu Hause lassen und mich dem alten Gefühl von Sommer, Strand und Sommerferien hingeben. Der endlos langen Zeit, die einem zur Verfügung stand, als man ein Kind war.

Wie kann man sich das ins Jetzt holen?

Ich finde, es gibt zwei Möglichkeiten:

* am Wasser sein

* unter Bäumen sein

Und das mache ich jetzt einfach. Ich schnappe mir die Picknickdecke und gehe in den nächstgrößeren Park. Dann setze ich einen Standort-Pin und schicke ihn an ein paar Leute. Und dann - so ist mein Plan - schalte ich das Handy aus. Also richtig aus. Mal schauen, was passiert.

Für den Zeitvertreib nehme ich mir ein Buch mit. Eines, das seit Ewigkeiten im Bücherschrank liegt. Nicht das Buch über die Frage, wie ich meine Finanzen besser in den Griff bekomme. Und auch nicht das englische Buch, bei dem ich nach den ersten 120 Seiten aufgehört hatte, weil die Sprache schön, aber dann doch etwas kompliziert war. Sondern das andere Buch, das mit einem der besten Titel, die man sich für ein Buch ausdenken kann: Am Meerschwein übt das Kind den Tod.

Und dann nehm ich mir auch noch einen Hut mit, den ich über meine Augen legen kann. Falls mir selbst das Lesen zu anstrengend wird.

Bild aus dem Newsletter

Schönen 1. Mai! Schönen Tag des Nichts-Tuns!

Bild aus dem Newsletter
Lass uns zusammen Neugierig sein!