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Der Kurious Letter
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13/3/2026

Das Verhältnis zur Welt reparieren 🔧

Über eine kaputte Küchenmaschine und den Versuch, das eigene Verhältnis zur Welt zu reparieren.

Heute kommt die Freitagspost wieder von mir, Andreas. Ich bin Mitherausgeber des The Kurious Magazine und schreibe hier im Wechsel mit Iris darüber, wie wir versuchen, mehr Neugier in unser Leben zu bringen. Wir freuen uns immer über Feedback und Tipps, oder einfach ein freundliches "Hallo". Ihr erreicht uns unter hallo@thekuriousmag.com und auf Whatsapp!

Heute: Über meine kaputte Küchenmaschine.

Andreas - Herausgeber und Smartphone-Addict
Bild aus dem Newsletter

Bevor es losgeht noch ein kurzes Update zu Eva!

Wir haben einen Patenstorch: Eva. Im NABU-Projekt „Störche auf Reisen“ wird ihr Zug in den Süden – und der vieler anderer Störche – über mehrere Jahre verfolgt. Dadurch werden Erkenntnisse gewonnen, welchen Gefahren die Störche auf ihrer Reise ausgesetzt sind, wo sie den Winter genau verbringen und wovon sie sich dort ernähren.

Eva hat jetzt Tansania verlassen und sich auf den Weg nach Norden gemacht und chillt gerade am Viktoriasee in Kenia. Hier gehts zum Projekt:„Störche auf Reisen“

Übers Ohr gehauen

Der heutige Newsletter (und die Buchempfehlung weiter unten) ist von einer Frau inspiriert, die mir eine kaputte Küchenmaschine angedreht hat. Aber ganz von vorne: Ich habe mir vor Kurzem eine Küchenmaschine gebraucht gekauft. Meinem Alter entsprechend habe ich angefangen, Brot zu backen, und versuche gerade, mein Pizza-Game zu perfektionieren. Deshalb wollte ich eine alte, superrobuste Maschine.

In meiner Wohnung gibt es, bis auf die Waschmaschine, keine Dinge, die neu sind. Und in all diesen Jahren ist mir etwas Bemerkenswertes passiert. Ich bin noch nie übers Ohr gehauen worden. Wirklich nie. Meist habe ich die Dinge nicht einmal getestet. Ich habe sie kurz angeschaut, eingepackt und mitgenommen. Es gab nie Probleme. Bis letzten Monat.

Die Küchenmaschine habe ich von einer Frau gekauft, die auf mich sehr freundlich und glaubwürdig wirkte. Alles wie immer. Auf den ersten Blick jedenfalls. Zuhause stellte sich dann heraus: Das Ding war kaputt. Nicht sofort offensichtlich, aber beim zweiten Blick. Und beim dritten Blick wurde es noch interessanter. Jemand hatte offenbar schon einmal versucht, sie zu reparieren und war daran gescheitert

Bild aus dem Newsletter

Ich habe mich zuerst unfassbar geärgert und ihr gleich eine (unbeantwortet gebliebene) Nachricht geschickt. Dieser Ärger hat sich dann aber relativ rasch in den Versuch umgeleitet, das Ding selbst zu reparieren.

Ich habe mir auf YouTube Anleitungen angesehen und die Maschine aufgemacht. Am Anfang war ich von den Zahnrädern völlig überwältigt. Aber nach und nach habe ich verstanden, was eigentlich das Problem war. Es fehlten tatsächlich sechs Schrauben, die ein großes Zahnrad in Position halten. Offenbar hatte also irgendwer das Ding schon einmal aufgemacht und die Schrauben schlicht vergessen?! Das Ganze ist sehr mysteriös.

Nach drei Stunden, mit KI-Unterstützung, habe ich schließlich in England tatsächlich Schrauben gefunden, die passen. Ich habe sie bestellt, bekommen, alles neu geputzt und gefettet, die Maschine wieder zusammengebaut und: Die Küchenmaschine läuft wie neu.

Bild aus dem Newsletter

„Was gewöhnliche Menschen früher selbst herstellten, kaufen sie heute; und was sie früher selbst reparierten, ersetzen sie heute vollständig.“

Also, das Ding läuft wieder, und mein Ärger ist komplett verschwunden. Er hat sich sogar in eine seltsame Dankbarkeit gewandelt. Das klingt jetzt ziemlich irre, aber ich bin froh, dass sie kaputt war, als ich sie bekommen habe. Diese Maschine ist jetzt irgendwie meine geworden. Weil ich sie repariert habe.

Und da ist mir ein Buch eingefallen, das ich vor vielen Jahren einmal (zu Beginn meiner "quarter life crisis") gelesen habe: Shop Class as Soulcraft von Matthew B. Crawford. Darin beschreibt Crawford, wie er seinen Job als politischer Analyst aufgibt, um eine Motorradwerkstatt zu eröffnen. Sein Punkt ist ziemlich simpel: Die Welt heutzutage ist extrem abstrakt. Wir greifen nichts mehr an. Wir verstehen nicht mehr, wie Dinge funktionieren. Können sie nur kaufen und wegwerfen. Wobei aber gerade das Reparieren von Dingen eine besondere Form von Sinn und ein Gefühl der Selbstermächtigung stiftet. Etwas, das heutzutage komplett verloren geht.

„Die Befriedigung, sich durch handwerkliches Können konkret in der Welt zu verwirklichen.“

Und Selbstermächtigung ist das richtige Wort, denn jedes Mal, wenn ich die Maschine jetzt benutze, bin ich ein kleines bisschen stolz. Weil ich weiß: Das habe ich selbst hinbekommen. Und auch, weil ich jetzt verstehe, wie sie funktioniert und im Zweifel wieder selbst reparieren könnte. Ein Gefühl, das ich heutzutage sonst gar nicht kenne. Denn ich habe keine Ahnung, wie die meisten Dinge funktionieren, und das löst in mir, wenn ich darüber nachdenke, das Gefühl des Ausgeliefertseins aus.

Also mein Impuls für diesen Newsletter heute: Das nächste Mal, wenn etwas kaputt ist, repariere es. Und wenn du kein Werkzeug oder gar keine Ahnung hast, such dir ein Reparaturcafé. Dort wird nicht nur ein Toaster oder eine Lampe repariert, sondern auch ein kleines Stück unseres Verhältnisses zur Welt. (Hoffe, das Ende war nicht zu schnulzig!)

Liebe Grüße

Andreas

Bild aus dem Newsletter

✔ Tipp: Ein Reparatur-Cafe in deiner Nähe findest du auf diesen Webseiten

- repaircafe.org (international)

- reparatur-initiativen.de (Deutschland-Netzwerk)

Du hast mehr Tipps oder Feedback? Per Mail oder per Whatsapp! Ihr erreicht uns unter hallo@thekuriousmag.comund auf Whatsapp!

Lass uns zusammen Neugierig sein!