← The Kurious LetterDer Kurious LetterHeute kommt die Freitagspost wieder von mir, Andreas. Ich bin Mitherausgeber des The Kurious Magazine und schreibe hier im Wechsel mit Iris darüber, wie wir versuchen, mehr Neugier in unser Leben zu bringen. Bevor es los geht auch wieder ein Shout-Out an alle, die sich gemeldet haben! Danke besonders an Regina - ihren Podcast-Tipp habe ich euch auch ganz unten verlinkt!
Wir freuen uns immer über Feedback und Tipps, oder einfach ein freundliches "Hallo". Ihr erreicht uns unter hallo@thekuriousmag.com und auf Whatsapp!
Heute: Freundschaften im Wandel.

Aber zuerst ... meine Hörempfehlung für das Wochenende!
Eine Folge, die mich in den letzten Tagen nicht losgelassen hat, ist „What It’s Like to Be Steve Levitt’s Daughters“ aus dem People I (Mostly) Admire-Podcast. In dieser Episode spricht Steve Levitt, der Host, mit seinen beiden Töchtern darüber, wie es eigentlich ist, seine Tochter zu sein. Es ist eine ungewöhnlich intime, ehrliche und berührende Auseinandersetzung damit, wie wenig Menschen – selbst innerhalb einer Familie – oft voneinander wissen und wie unterschiedlich Identität, Erwartungen und innere Kämpfe erlebt und verarbeitet werden. Hat mich sehr berührt! What it's like to be Steve Levitt's Dougthers

Nobody told me how it works
Ich schreibe heute über Freundschaften. Wobei ich – das muss ich vorausschicken – mich nicht wirklich als qualifiziert ansehe, euch irgendwelche Tipps zu geben. Es ist nur ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Denn mein Freundeskreis wird, je älter ich werde (ich bin 41), nicht größer, sondern kleiner. Und nur sehr selten kommt jemand neu hinzu.
Der Verlust ist dabei schleichend. Weil er zunächst nicht wie Verlust anfühlt. Es gibt keinen Streit. Keinen großen Bruch. Sondern es sind Namen, die man seltener schreibt. Verabredungen, die nicht mehr stattfinden. Geburtstagsnachrichten, die ausbleiben. Bis nur noch eine sporadische Erinnerung bleibt, die plötzlich auftaucht, wenn man an einem Lokal vorbeigeht, in dem man früher stundenlang gesessen ist. Oder wenn man durch eine Straße spaziert, in der man einmal gemeinsam gewohnt hat.

Und gleichzeitig weiß ich gar nicht, ob mich das beunruhigen soll. Ich bin da hin- und hergerissen. Denn: Nobody told me how it works. Sollen wir unsere Freundschaften eigentlich für immer behalten? Ist das das Ziel? Oder ist es normal, dass sie sich verändern und man unterwegs neue bildet?
Die Freunde, die ich in meinen Zwanzigern hatte, waren Gefährt:innen, um die Welt zu entdecken. Es gab Partys, Reisen, Katastrophen. Man teilte Intensität. Man erlebte Dinge zum ersten Mal. Die gemeinsamen Interessen waren eher Nebensache , denn man machte gemeinsame Erfahrungen. Und ich durchlaufte fast so etwas wie eine kleine Trauerphase, als ich erkannte, dass diese Intensität nachlässt und dass das ganz natürlich ist. Als dieser Wandel einsetzte, war manchmal auch Eifersucht dabei. Eifersucht darauf, dass das Leben einen auf unterschiedliche Wege führt. Kinder. Andere Freund:innen und Partner:innen und Prioritäten. Neue Lebensmittelpunkte. Manche Freundschaften überstehen das, andere nicht.

Wenn man Glück hat, bleiben manche dieser Menschen.
Es gibt dieses Meme von einer Kuh und einem Delfin, die nebeneinander aus dem Wasser springen. Ich musste sehr lachen, als meine Partnerin es mir gezeigt hat. Denn in funktionierenden Freunschaften bleiben Freund:innen verbunden, obwohl sich ihre Leben komplett unterschiedlich entwickeln. Weil sie gelernt haben, die Unterschiedlichkeit nicht als Bedrohung ihrer Freundschaft zu sehen, sondern als Bereicherung. Weil sie verstanden haben, dass man das Leben des anderen größer machen kann – gerade durch das, was man selbst anders macht.
„So jetzt bin ich 'thirty-fünf' und es hat sich gefühlt nichts verändert seit ich fünfzehn war.“
Aber ja, ich würde euch jetzt gerne etwas Schlaues darüber berichten, wie ich mit diesem Wandel meiner Freundschaften umgehe oder wie ich neue Freund:innen finde. Das kann ich allerdings nur bedingt. Ich habe gemerkt, dass für mich Interessengruppen der schnellste Weg sind, neue Beziehungen zu entwickeln. Das funktioniert bei mir sehr gut – überwiegend über Sport.
Aber alles in allem ist dieser Wandel von Freundschaften bei uns in der Redaktion ein großes Thema. (Deswegen gab es ja auch in der ersten Ausgabe einen großen Schwerpunkt.) Das hat vielleicht mit dem Sprichwort zu tun: „Gleich und gleich gesellt sich gern“, also damit, dass mein (berufliches) Umfeld überwiegend aus introvertierten Menschen besteht, die sich mit dem Pflegen von Freundschaften ähnlich schwertun wie ich.
Eine davon ist Ilona Toller, und sie hat eine Episode von The Kurious Radio gestaltet, in der sie genau das thematisiert: Sie ist Mitte dreißig, ihre „alten“ Freund:innen haben sich über die ganze Welt verteilt, und auch sie ist ganz neu nach London gezogen und musste feststellen, dass es ihr als erwachsene Person sehr, sehr schwerfällt, neue Freundschaften zu schließen.
Sie hat deshalb den Selbstversuch gewagt und ausprobiert, wie es vielleicht doch klappen kann. Zum Beispiel hat sie sich bei den „Dykes Who Hike“ angemeldet, einer queeren Wandergruppe, oder sich auf ein „Time Left“-Dinner mit fünf völlig fremden Menschen eingelassen.
Ich habe den Beitrag selbst letzte Woche zum ersten Mal gehört und muss sagen: Es sind einige Dinge bei mir hängen geblieben, mit denen ich mich sehr identifizieren kann. Vor allem, wie verletzlich man ist, wenn man sich auf die Suche nach neuen Freunden macht. Ich kann euch den Beitrag sehr empfehlen.
Ihr könnt ihn euch hier anhören: Wie findet man neue Freund:innen?

Erzähl uns wie es dir mit dem Freund:innen finden geht? Was sind deine Erfahrungen. Per Mail oder per Whatsapp! Ihr erreicht uns unter hallo@thekuriousmag.comund auf Whatsapp!

Und eine Podcast-Empfehlung von Regina (danke sehr!):
" Ich habe diese Podcast-Episode vor Jahren gehört (nicht selbst produziert) und sie schon einige Male zum gemeinsamen Hören als Hochzeitsgeschenk oder auch als Farewell-Geschenk „weitergeschenkt“ ☺️❤️ – weil es in der Folge so wunderschön über den Zauber, aber auch die Trauer und Nostalgie eines Neuanfangs in einem neuen Zuhause geht. "