← The Kurious LetterDer Kurious LetterHallo, liebe Kurious-Menschen!
Heute kommt die Freitagspost wieder von mir, Andreas. Meine Kollegin Iris und ich wechseln uns hier wöchentlich ab, um euch vor dem Wochenende mal mehr, mal weniger tiefgründige Gedanken darüber ins Postfach zu schicken, wie man mehr Abenteuer und Neugier ins Leben bringt — plus Empfehlungen für Podcasts, Bücher und hin und wieder auch die ein oder andere Challenge.
Heute geht es um meine absolute Unfähigkeit, mit meinem Smartphone umzugehen. Ich bin ein Smartphone-o-holic. Und der erste Schritt zur Besserung ist bekanntlich, es öffentlich zu machen.
Außerdem gibt’s eine Buchempfehlung und jede Menge Lesematerial von George Orwell.


Vor zwei Wochen bin ich bei einem Besuch im Buchladen ums Eck über dieses Buch gestolpert: Zeilen der Zeit von George Orwell. Der Band versammelt Kolumnen, die Orwell zwischen 1943 und 1949 vor allem für die britische Zeitung Tribune geschrieben hat und in denen er das politische Zeitgeschehen kommentiert, sich aber genauso an ganz alltäglichen Beobachtungen festbeißt. Es geht um Wahrheit, Krieg, Propaganda, Moral, soziale Ungleichheit und Faschismus, aber eben auch um sehr viel Alltäglicheres. Genau diese Mischung macht das Buch so gut.
Besonders spannend ist, dass Orwell in genau dieser Zeit auch Animal Farm und 1984 geschrieben hat. Das Buch ist also gewissermaßen ein Blick hinter die Kulissen, ein Einblick in seine konkrete Weltsicht und Gedankenwelt, während diese Jahrhundertliteratur entstand.
Vielleicht auch noch interessant: Orwells Werke sind inzwischen gemeinfrei. Das heißt, auf Project Gutenberg Australia findet ihr viele seiner Texte und Bücher direkt zum Herunterladen. Darunter auch etwas weniger bekannte frühe Werke wie Burmese Days, in dem er seine Zeit als Polizist im kolonialen Burma verarbeitet, oder Down and Out in Paris and London, das aus seinen Erfahrungen mit Armut und Obdachlosigkeit in Paris und London entstanden ist. Vor allem seine Texte über den Spanischen Bürgerkrieg haben mein Weltbild (ohne Übertreibung!) nachhaltig auf den Kopf gestellt.
Auch auf der Seite der Orwell Foundation gibt es viele Essays, Artikel und andere Texte online zu lesen. Beides ist hier verlinkt!
Der Grund, warum ich in den letzten zwei Wochen überhaupt Zeit hatte, dieses Buch zu lesen, war folgender: Ich habe mein Smartphone gegen ein Klapptelefon eingetauscht. Wie viel Zeit mir das gebracht hat? Fast fünf Stunden am Tag!
Ich war mir gar nicht sicher, ob ich das hier zum Thema machen sollte. Denn ich weiß nicht, ob euch die Handysucht so im Griff hat wie mich. Das Ding ist: Sie ist in den letzten Jahren immer schlimmer geworden. Also prinzipiell hilft mir das Älterwerden jedes Jahr dabei, besser mit Dingen umzugehen. Mit Beziehungen, Ängsten usw. usf. Deswegen mag ich es gern. (Einziger Nachteil: Es bringt einen um.) Aber mit Technologie ist das bei mir anders. Da wird nichts besser. Es kommen immer mehr Gadgets dazu. Vor allem aber ist mein Smartphone-Konsum vollkommen außer Kontrolle. 5 STUNDEN AM TAG. Ich schäme mich, das zu schreiben. Ich würde es gerne auch beschönigen (ich mache auch Sachen für die Arbeit damit), aber eigentlich gibt es da gar keine Beschönigung. Das ist einfach nur verrückt. Ich habe alles versucht, von grauem Hintergrund über App-Sperren bis zu digitalen Zeitbegrenzungen. Nichts hat genützt, und jetzt muss ich leider eingestehen: Ich bin jetzt 41 und absolut unfähig, mit meinem Smartphone umzugehen.


Das Klapptelefon als letzte Hoffnung?
Das Klapptelefon ist jetzt der erste harte Cut, den ich als einzigen Ausweg sehe. Wobei es spannend ist, wie sehr sich mein Hirn dagegen wehren will. Nach einer Woche Selbstversuch habe ich einige für mich interessante Beobachtungen dazu ergeben, wie es sich ohne Smartphone lebt:
Es gibt da noch viel mehr zu sagen, aber ich glaube, für heute werde ich meine Klapptelefon halten. Ich halte euch aber auf alle Fälle auf dem Laufenden. Auch wenn ich scheitern sollte.
Schönes Wochenende
Andreas
Neue Podcastfolge online: True Crime aus dem Alten Rom.
In unserem Podcast „The Kurious Radio“ gibt’s heute eine Folge, in der ich mit der Papyrologin Anna Dolganov über einen Kriminalfall spreche, der sich vor 2000 Jahren zugetragen hat. Es war ein cooles Gespräch, und ich habe auch viel über das Alte Rom erfahren. Wenn euch das interessiert, hört rein!
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