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Der Kurious Letter
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13/2/2026

Selbstversuch: Mein analoges Leben reparieren 🛠️

Geister und das analoge Leben – Andreas über ein angestaubtes Buch und 500 Jahre Geistersichtungen.

Geister und das analoge Leben

Heute kommt die Freitagspost von mir, Andreas. Ich bin Mitherausgeber des The Kurious Magazine und ich schreibe hier abwechselnd mit meiner Kollegin Iris darüber, wie wir versuchen, mehr Neugierde in unser Leben zu bringen. Bevor es los geht auch herzlichen Dank an alle, die sich letzte Woche bei uns mit Feedback und auch Komplimenten gemeldet haben. Danke besonders an Hans! Ihr erreicht uns unter hallo@thekuriousmag.com und auf Whatsapp!

Heute: (1) Geister und wie ich versuche (2) mein analoges Leben zu reparieren.

Andreas - Herausgeber und Smartphone-Addict

Starten wir mit den Geistern (mein neues Rabbit Hole)

Diese Woche bin ich beim Schmökern in einem meiner Lieblingsbuchläden (Buchhandlung Walther König) über ein Buch mit dem Titel A Natural History of Ghosts von Roger Clarke gestolpert. Die Ausgabe stand angestaubt im Regal – so, wie ein Buch über Geister wahrscheinlich zu sein hat.

Es ist eine Untersuchung darüber, wie sich der Glaube an Geister in den vergangenen 500 Jahren verändert und zugleich erstaunlich beharrlich gehalten hat. Denn Geistersichtungen und ihre Deutungen haben sich über die Jahrhunderte stark gewandelt. Vor allem mit der Aufklärung geriet der Geisterglaube unter den Druck der Vernunft, verschwand jedoch nicht, sondern erlebte spätestens ab dem 19. Jahrhundert einen regelrechten Boom: Séancen, Medien und Geisterfotografie verbanden sich mit einem wissenschaftlichen Interesse, das irgendwo zwischen ernsthaftem Erkenntnisdrang und spektakulären Betrugsfällen pendelte. (Pun intended.)

Aber volle Transparenz: Eigentlich geht es hier gar nicht um das Buch. Denn inhaltlich kann ich noch nicht viel mehr berichten. Ich bin noch nicht einmal auf Seite 50 von 305. Aber das Buch hat schon jetzt mein neues (und altes) Interesse an Geistern wiedererweckt.

Bild aus dem Newsletter

Ich bin in meinem Leben erstaunlich oft auf Geistergeschichten gestoßen!

Erst unlängst erzählte mir meine Schwester, eine Bekannte von ihr habe berichtet, in ihrer Ortschaft im Südosten Österreichs gebe es einen Klopfgeist, der von Haus zu Haus ziehe und an Türen, Fenstern und in Schränken klopfe. Im Dorf vermutet man, es sei ein alter, gescholtener Landbesitzer.

Aber auch in meiner direkten Familie gibt es viele derartige Geschichten. Mein Vater und mein Schwiegervater verstarben innerhalb weniger Monate. Danach hörten sowohl meine Schwiegermutter als auch meine Mutter aus den Kästen ihrer verstorbenen Ehemänner ein lautes Klopfen, das sie in der Nacht aus dem Schlaf riss. Wer es zuerst erlebte, weiß ich nicht. Sicherheitshalber wurden beide Kästen entsorgt. (Kein Scherz.)

Oder die Geschichte meiner Tante, deren Mann – mein Onkel – auf dem Heimweg von einem LKW überfahren wurde und ihr danach im Fenster erschien. Oder die große Erzählung meiner Kindheit: dass in der Nacht, als mein Großvater im Winter – ich glaube, es muss 1984 (also vor meiner Geburt) gewesen sein – verstarb, alle Uhren im Haus meiner Eltern exakt zum Todeszeitpunkt stehen blieben. Vom Wecker bis zur Küchenuhr. Meine Mutter schwört noch heute darauf.

Dann gibt es noch das Gesicht der Maria von Lourdes in einer Kartoffel, das eine andere Tante von mir gefunden hat. Ich habe es inspiziert – und mit etwas Fantasie gibt es da tatsächlich eine Ähnlichkeit. Nicht wirklich ein Geist, aber ich wollte es erwähnt haben.

Ich weiß nicht, warum – aber vielleicht, weil in meiner Familie sehr oft über Übernatürliches gesprochen wurde (meine Mutter hat auch Karten gelegt, mein Vater gependelt und aus dem Buch des Nostradamus zitiert!), war ich diesen Erzählungen gegenüber schon als Kind extrem skeptisch. Ich war auch Ministrant und glaubte nicht an Gott. Das sage ich nicht, um mich hier als besonders rational darzustellen (ich habe in meinem Leben schon oft genug an den größten Schwachsinn geglaubt!), sondern weil ich mich erinnere, dass mich diese Auseinandersetzung zwischen Paranormalem, Glaube und Wirklichkeit sehr früh begleitet hat.

Mein Aufruf an dich: Hast du Geistergeschichten?

Und als ich diese Woche über das Buch stolperte, hat mich genau diese Auseinandersetzung wieder ins Geister-Rabbit-Hole gerufen. Ich weiß nicht, wie’s euch geht, aber ich werde immer ein bisschen aufgeregt, wenn mich ein Thema so einlädt, es neu zu erkunden. Dieses Mal habe ich vor, tief in die Geisterwelt einzutauchen. Und warum schreibe ich das hier? Ich hoffe, ihr wollt vielleicht mitkommen.

Mein Aufruf an euch: Habt ihr Geistergeschichten? Eigene? Oder aus eurem Umfeld? Schreibt sie mir an hallo@thekuriousmag.com oder schickt sie direkt an unsere WhatsApp-Nummer. Gerne auch als Sprachnachricht! Ich habe vor, auch einen Beitrag für unseren Podcast The Kurious Radio zu gestalten – und vielleicht kommst du ja vor.

Wie man ein analoges Leben repariert ?

Jetzt habe ich überraschend viel über Geister geschrieben. Nun geht es aber um das Thema, über das ich eigentlich schreiben wollte: Wie repariert man sein analoges Leben? „Analoges Leben“ ist an sich ein seltsamer Begriff. Vielleicht sogar ein Widerspruch oder, genauer ausgedrückt, eine Tautologie. So wie nasses Wasser. Denn welches Leben ist nicht analog? Und doch weißt du wahrscheinlich, was gemeint ist: das Leben abseits der Bildschirme. Das Leben, das du führst, wenn du dein Smartphone beiseitelegst.

Und dieses analoge Leben steht im thematischen Mittelpunkt des Kurious Magazine. Wir wollen die Neugier befeuern und dir (und uns) den einen oder anderen Anstoß geben, etwas Neues auszuprobieren, neue Perspektiven einzunehmen und tiefe Begegnungen zu suchen – also das analoge Leben zu bereichern.

Bild aus dem Newsletter

Die Idee zum Magazin kam Iris und mir, weil wir ziemlich genau wissen, wie es sich anfühlt, wenn Hobbys verschwinden, Gespräche weniger werden und stattdessen durch endloses Wischen und dauerhaftes Bildschirmstarren ersetzt werden. Ich habe das in den letzten Jahren leider auch genau so „ausprobiert“. Mein Leben wurde dadurch langweilig. Und ermüdend. Ich habe mir einmal ausgerechnet, dass ich in meinem Leben schon rund 15.000 Stunden auf mein Smartphone geblickt habe. 15.000 Stunden! Das sind 625 Tage oder 1,7 Jahre meines wachen (!) Lebens. Das ist absolut erschreckend.

Dabei habe ich oft radikal interveniert: Webseiten gesperrt und Zeitbeschränkungen auf meinen Geräten eingerichtet. Den Graustufenmodus eingestellt. Das Smartphone eine Zeit lang sogar gegen ein Klapptelefon ausgetauscht. Also Experimente aller Art durchgeführt, die eine Zeit lang funktioniert haben, dann aber doch alle – ich muss es so sagen – scheiterten.

Also mache ich offensichtlich etwas falsch. Das ist klar. Nur was, das konnte ich lange nicht formulieren, bis ich über einen Newsletter von Cal Newport auf Substack gestolpert bin. Disclaimer: Ich habe seine Bücher nicht gelesen und auch seinen Podcast nicht gehört. Das heißt also, ich weiß nicht, ob ich allem zustimmen würde, was er schreibt. Aber er formulierte einen Gedanken, der mir aus der Seele gesprochen hat:

„Um deine Beziehung zu digitalen Werkzeugen zu reparieren, musst du zuerst dein analoges Leben in Ordnung bringen. Es reicht nicht, problematische Apps und Geräte nicht mehr zu benutzen. Du musst aktiv alternative Tätigkeiten verfolgen, um die Lücken zu füllen, die dieser digitale Verzicht entstehen lässt: Bücher lesen, Gemeinschaften beitreten, anspruchsvolle Hobbys entwickeln, fit werden, Pläne schmieden, um deine Karriere zum Besseren zu verändern. Ohne einen tieferen Sinn wird der oberflächliche Sirenengesang deines Smartphones unmöglich zu ignorieren sein.“

Heute weiß ich: Nicht mein digitales Leben ist aus dem Gleichgewicht geraten, sondern mein analoges. Der passende Slogan dazu lautet: Fix your analogue Life first!

Fix your analogue Life first!

Das ist kein Aufruf zum Digitalverzicht. Es ist eine Erinnerung, das Analoge wieder ins Zentrum zu stellen. Ich habe jahrelang aufgehört, Hobbys zu pflegen. Ich habe aufgehört, meine Freunde zu sehen. Ich habe zugelassen, dass meine Aufmerksamkeit immer stärker in eine digitale Welt gezogen wurde, in der unzählige kluge Menschen dafür bezahlt werden, sie weiter zu fragmentieren.

Und deswegen bin ich schon seit einigen Jahren bewusst dabei, diesen Vorgang rückgängig zu machen. Zum Beispiel habe ich mich in einem Gym angemeldet, in dem es nur Gruppenstunden gibt. Ich lasse beim Spazierengehen und Laufen alle meine Geräte zu Hause. Ich versuche (noch ganz schlecht!), meine Freundschaften aktiver zu pflegen. Und es hilft natürlich auch, eine wundervolle Beziehung mit meiner Partnerin zu führen. Wobei sie mich, zurecht, regelmäßig darauf hinweist, dass ich mein Smartphone immer noch zu oft in die Hand nehme.

Ich bin ein „Recovering Smartphonolic“. Ein Teil der Mission des The Kurious Magazine ist es, einen kleinen Beitrag zu diesem „Fix your analogue Life first!“ zu leisten. Also Anstupser für ein neugieriges Leben zu geben – denn dann verliert der digitale Sirenengesang automatisch an Kraft.

Bild aus dem Newsletter

Fix your Anlog! - Tipps von Cal Newport:

  • Community – Beziehungen aktiv einplanen und echte gemeinsame Zeit priorisieren.
  • Craft – Mindestens 5 Std. Woche konzentrierte Tätigkeit pflegen.
  • Constitution – Tägliche Gesundheitsroutine (Bewegung, Schlaf, Basisgewohnheiten) konsequent umsetzen.
  • Contemplation – Regelmäßige Reflexion und Ausrichtung des Lebens an klaren Werten.
Lass uns zusammen Neugierig sein!