← The Kurious Letter
Der Kurious Letter
·
1
·
6/2/2026

Selbstversuch: 🦉 Vogel-Suche!🦉

Kälte, Schnee und (k)eine Eule: Iris über einen Selbstversuch im Winterwald und die Kunst des Birdings.

Wie findet man eine Eule?

Hallo, hier ist Iris! Willkommen zur Freitagspost des The Kurious Magazine. Mein Kollege, Co-Kompagnon und Mitherausgeber Andreas und ich schreiben hier jeden Freitag abwechselnd darüber, wie wir versuchen, mehr Neugier in unser Leben zu bringen.

Heute: Eulenfinden im Winterwald.

Iris – Herausgeberin und Chefredakteurin

Aber davor: der Longform-Tipp der Woche!

Im US-amerikanischen Raum ist This American Life so etwas wie die Mutter und der Goldstandard aller Reportage-Podcasts. Eigentlich eine Radioshow, die sehr persönliche Geschichten über das Leben in all seinen Facetten erzählt. Man hört hier von einem ehemaligen Gefängniswärter, der zum professionellen Santa Claus wurde, oder genauso von einer Schulaufführung, bei der alles, wirklich alles, schiefgegangen ist.

Heute empfehle ich euch Folge Nummer 654 – The Feather Heist. Die ganze Episode erzählt die Geschichte eines Diebs, der über Jahre hinweg unbemerkt alte, historische Federn aus der Federsammlung des British Museum gestohlen und weiterverkauft hat. Der Grund dafür ist total überraschend, und die Geschichte ist die beste Form von True Crime, die ich mir vorstellen kann: ohne Blut, dafür sehr viel Mystery. Man kann sie in einer Podcast-App freikaufen oder hier auf der Website hören: This American Life - The Feather Heist

Und nun zum Eulenfinden:

Der Grund, warum wir das Kurious Mag (und auch diesen Newsletter) machen, ist, dass wir Neues ausprobieren wollen: neue Hobbys, neue Musik, neue Abenteuer. Also ganz praktisch – nicht nur darüber reden oder schreiben. The Kurious Magazine ist also eine Spielwiese, um uns selbst ein neugierigeres Leben zu bauen und dabei hoffentlich andere auch mit zu inspirieren

Und in der Recherche zu unserer ersten Ausgabe, bin ich auf das Birden gestoßen.

Wobei das sehr unerwartet geschehen ist. Denn das mit Birding ist so eine Sache, finde ich. Weil: Vom Prinzip her finde ich das schon lange super. Die Vorstellung, ein Mensch zu sein, der sich fürs Vögel-Finden begeistert, entspricht einer meiner vielen Idealvorstellungen von mir selbst. Ich würde gerne mit meinen Nichten im Wald spazieren, einen Vogel hören, sagen: Ah, hört mal, Mädels, das ist ein Eichelhäher. Und die würden natürlich ganz aufmerksam zuhören, andächtig schweigen und sich den Ruf des Eichelhähers merken.

Bild aus dem Newsletter

Deswegen stapeln sich seit einigen Jahren ein paar Vogelbestimmungsbücher in meinem „Das will ich irgendwann lesen"-Abschnitt des Bücherregals. Eines davon hat sogar ein elektronisches Gerät dabei, das wie eine Fernbedienung aussieht und mit dem man Vogelstimmen abspielen kann. Der Eichelhäher ist Nummer – na ja, da müsste ich jetzt aufstehen und nachsehen.

Wobei, wenn ich ehrlich bin (und das versuchen wir hier zu sein …), ich Vögel nicht wirklich interessant finde. Ich finde sie eher seltsam. Wie sie herumflattern, dass sie gegen Fensterscheiben fliegen und dass sie oft so aufgeregt wirken. Das alles spricht mich nicht unbedingt an. Und die Tatsache, dass Vögel eigentlich Dinosaurier sind, hilft mir auch nicht weiter. Denn auch für Dinosaurier hatte ich noch nie etwas übrig.

Warum sich also ums Vögel-Finden-Gut-Finden bemühen?

Die Person, die dann aber mein Vogel-Weltbild auf den Kopf stellte, ist Radu. Er tauchte eines Tages bei einer Gartenparty auf (der Freund einer Freundin) und begann, übers Birding zu erzählen. Zuerst über den Wahnsinn in der Extreme-Birding-Szene, die extrem kompetitiv ist, und dann aber auch über das, was er daran spannend findet. Irgendwie hat mich das nicht losgelassen, und so ist auch der Kurious Hobby Deep Dive in unserer ersten Ausgabe entstanden.

Als ich ihn noch mal kontaktiert habe, um ihn ausführlicher ausfragen zu können, ist mir vor allem ein Satz hängen geblieben: „Um Birding gut zu finden, muss man keine Vögel mögen." Denn Birding ist wie eine selbst gemachte Schnitzeljagd. Ein Quest, das er sich selbst baut. Ein Spiel, das ihn raustreibt. Und bei dem er – nebenbei – die ärgsten Naturerfahrungen macht. Das hat mich gehooked. Denn schließlich bin ich auch nur ein Mensch, und mein Affenhirn will lieber Insta-swipen, als aufstehen und in den Wald gehen … um dort … was eigentlich zu tun? Einen Vogel zu sehen? Erzähl das mal meinem Dopaminhaushalt …

Bild aus dem Newsletter

Die Eulen läuten den Frühling ein.

Und dann an einem üblichen Samstagabend also (letzte Woche) erreicht mich nun der Ruf des Birdens in der Form einer E-Mail: „Die Eulen läuten den Frühling ein.", steht da im Betreff. Und dann, im Mail selbst: "Jetzt beginnt die beste Zeit für Eulenbeobachtungen." Der Link führt zu einem YouTube-Video, dessen Thumbnail mich mitten ins Herz trifft: Eine Eule mit halb geschlossenen Augen sitzt neben einem Schornstein. (Das Video findet ihr hier!) Der Newsletter ist von Kalle. Und er schreibt von Eulen, die er – weil er nun mal Ornithologe ist – beobachtet hat.

Kann man wirklich einfach so Eulen finden? Kann ich, Iris, wirklich in den Wald gehen und eine Eule sehen? Wie sie da im Baum sitzt und schläft? Einen Waldkauz, so wie im Video? Leben die da tatsächlich? Das Gute ist, dass Eulen so wahnsinnig cute sind. Und dass Kalle Videos macht, die voller Begeisterung, aber ruhig und super sympathisch sind. Die Nichten sitzen im Wohnzimmer, und der Film, den sie schauen, ist gerade zu Ende. Ich zeige ihnen das Video (sie übernachten an diesem Tag bei uns). Sie sagen: Oooh! Und damit ist es beschlossen: Wir gehen am Sonntag eine Eule suchen.

Bild aus dem Newsletter

Von Radu für die Vogel-Schnitzeljagd gelernt:

  • Sich einen Vogel aussuchen, den man gerne sehen würde.
  • Sich informieren: Welche Bedingungen liebt dieser Vogel? Wohnt er eher im Wald oder auf einer Wiese? Hoch oben oder weiter unten?
  • Nach einem Gebiet in der Nähe suchen, wo diese Bedingungen vorkommen. Oder: nach einer Sichtung suchen.
  • Fernglas einpacken (wenn man eines hat).
  • Losgehen.

Ok, Kinder, wir suchen eine Eule !

Mit ein paar simplen Tipps von Radu ausgerüstet, mache ich mich also selbst auf die Eulen-Suche. Naja, und mir fiel dabei nichts Besseres ein, als „Eulen-Sichtung Wien" in ein Suchfenster einzugeben. Nach ganz kurzer Recherche lese ich auf Reddit, dass 2022 Eulen in der Föhre vor dem Naturhistorischen Museum ihren Brutplatz hatten (benutzen sie den immer noch?!?), dass es am 25.01. dieses Jahres eine Eulenexkursion in Hausleiten. bei Wien gegeben hätte. Dabei wurde aber vermerkt, wie schwierig es doch sei, eine Eule zu finden. Doch dann plötzlich ein Volltreffer! ChatGPT bringt mich auf eine Seite, auf der Folgendes steht:

Beobachtung Waldkauz Art: Waldkauz Beobachtungsdatum: 22.01.2026 Zeitraum: 17.00 – 17.59 Anzahl: 1 Melder/in: rzi123 Koordinaten: 48.217092537675, 16.275284383446

Das ist die heiße Eulenspur, die ich gesucht habe. Ich informiere die Nichten über meinen Rechercheerfolg (die vor Aufregung komplett durchdrehen), ja, und dann wird geschlafen, aufgestanden, gefrühstückt, das Fernglas meiner Frau eingepackt (sehr wertvoll, sie hat es als Volksschulkind von ihrem Vater, der Jäger war, geschenkt bekommen) und losgefahren. Auf nach 48.217092537675, 16.275284383446!

Eine halbe Stunde später stehen wir im winterlichen Wiener Wald. Rundum Bäume, am Boden Schnee und Eis. Es schneit leicht, der Nebel zieht auf. Ich halte den Spirit mit Parolen wie „Ok, Kinder, wir suchen eine Eule!" hoch. Ja gut, aber echt jetzt? Ich kann mir selbst nicht ganz glauben. Ich gehe los, den Ferngucker in der Hand, und schaue die Bäume hinauf. Halte Ausschau nach Astlöchern und Astgabeln. Die Kinder laufen schreiend davon, rutschen aus, weinen, stehen auf. Weiter. Ich will da jetzt eine Eule finden! Nach etwas mehr als einer halben Stunde sind die Kids nass, meiner Frau ist kalt. Sie wollen nach Hause. Ok. Wir haben es versucht. Gesehen habe ich nichts, außer Baumstämmen, ein paar Krähen (?), einen schemenhaften Vogel, den ich nicht identifizieren konnte, und grauem Himmel. Immerhin, ein Anfang. Ich will wiederkommen.

Denn stellt euch doch vor – also ganz in echt und wirklich: Ihr blickt da im Wald die Bäume hoch und plötzlich bewegt sich was. Etwas, das sehr cute und auch sehr weise aussieht … Das wär doch der absolute Wahnsinn, oder?

Hör in unseren Podcast rein!

Von Kalle könnt ihr diese Woche auch im Kurious Radio hören, das ganze Gespräch mit Radu dann nächste Woche. Hier der Link: https://pod.link/1858495758

Habt ihr auch Birding-Erfahrungen? Steht ihr ganz am Anfang oder seid ihr Birding-Meister:innen? Habt ihr vielleicht schon mal eine Eule gesehen? Dann erzählt uns doch bitte davon! Schickt uns eine Sprachnachricht über WhatsApp oder Signal an die Kurious Hotline: +43-676-6713997

Hilf mit, dass The Kurious Magazine wachsen kann! Teile diesen Newsletter mit deinen Freunden oder verschenke eine Ausgabe an eine Person, die sich darüber freuen kann. Hier geht es direkt zu unserem Shop!

Lass uns zusammen Neugierig sein!